"Outside", das 1995 erschien, ist eines von Bowies ambitioniertesten und düstersten Alben, ein avantgardistisches Werk, das sich mit Themen wie Wahnsinn, Kriminalität und einer dystopischen Zukunft beschäftigt. In vielerlei Hinsicht knüpfte Bowie damit an seine frühen experimentellen Phasen aus den 1970ern an, insbesondere an "Diamond Dogs" und "Low". Das Album erzählt eine lose Geschichte über einen fiktiven Detektiv namens Nathan Adler, der in einer verstörenden Welt Kunstverbrechen untersucht – eine Welt, in der die Grenzen zwischen Kunst und Wahnsinn verschwimmen.
Die Begegnung mit den Künstlern von Gugging bestärkte Bowie in seiner Auseinandersetzung mit psychischen Erkrankungen und kreativer Außenseiterkunst. Die rohe, ungefilterte Ausdrucksweise der dort lebenden Künstler passte gut zu seiner Ästhetik der 1990er, in der er verstärkt mit Dekonstruktion, Noise und Cut-up-Techniken arbeitete. Ihr Einfluss lässt sich nicht nur in der Musik, sondern auch im Coverdesign und in den visuellen Konzepten rund um "Outside" wiederfinden.
Die Beschäftigung mit Schizophrenie und psychischen Krankheiten hatte für Bowie eine tief persönliche Dimension. Sein Halbbruder Terry Burns litt an paranoider Schizophrenie und war über Jahre hinweg in psychiatrischen Einrichtungen untergebracht. Terry, der Bowie schon früh für Jazz und Beat-Literatur begeisterte, nahm sich 1985 das Leben, indem er sich vor einen Zug warf. Diese Tragödie verarbeitete Bowie in mehreren Songs, unter anderem in "Jump They Say". Sein Interesse an Psychiatrie war also nicht nur intellektuell oder künstlerisch motiviert, sondern auch von biografischer Schwere.

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Uwe Schüttes „Sternenmenschen“
In "Sternenmenschen" rekonstruiert Uwe Schütte dieses entscheidende Kapitel in Bowies künstlerischer Entwicklung. Schütte, der selbst zur gleichen Zeit regelmäßig die Künstler von Gugging besuchte, verbindet in seinem Buch Biografien der dortigen Künstler mit der Entwicklungsgeschichte von "Outside". Dabei geht er auch auf die breitere Frage ein, wie Kunst und Wahnsinn in unserer Gesellschaft wahrgenommen werden. Die Künstler von Gugging gelten als Genies außerhalb des etablierten Kunstbetriebs, ihre Werke sind mittlerweile international anerkannt, doch das Stigma psychischer Erkrankungen bleibt bestehen.
Ein zentrales Thema des Buches ist die Unberechenbarkeit des Lebens und wie Kunst und Musik helfen können, mit existenziellen Brüchen umzugehen. Bowie selbst betrachtete sich oft als eine Art künstlerischen Außenseiter, der zwischen verschiedenen Identitäten oszillierte. Seine Faszination für Außenseiterkunst war keine oberflächliche Pose, sondern ein tieferliegendes Interesse, das seine Musik immer wieder beeinflusste.
Reinhold